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Mittwoch, 19 November 2014

REFLEXION: Interview mit Mag. Christian Knill

Unter dem Titel „Re-Industrialisierung - Europas Antwort auf die Wirtschafts- und Finanzkrise?“ erzählte Mag. Christian Knill, Geschäftsführer der KNILL Gruppe und Obmann des Fachverbandes Maschinen Metallwaren Industrie (FMMI) , darüber was eine Re-Industrialisierung bedeuten würde, wie man international agiert und was die Wirtschaft wirklich braucht.

knill christian klein

DAS INTERVIEW

Re-Industrialisierung - Europas Antwort auf die Wirtschafts- und Finanzkrise?

Ein Interview mit Mag. Christian Knill, Geschäftsführer und Eigentümer der KNILL Gruppe und Obmann des Fachverbandes FMMI

 

Diskussion mit einem erfolgreichen Industriekapitän über Europas Industriepolitik und die Wachstumschancen österreichischer Industrieunternehmen im internationalen Umfeld.


Herr Knill, Sie führen gemeinsam mit Ihrem Bruder das Unternehmen in der 12. Generation. Was zeichnet Ihr Unternehmen aus?


Die Knill Gruppe hat seinen Hauptsitz in Weiz und entstammt einem Schmiedeunternehmen, das 1712 von unserer Familie übernommen wurde, d.h. wir hatten vor 2012 die 300 Jahr Feier. Das Schmieden ist nach wie vor unsere Kerntechnologie am Standort in Weiz. Die Knill Gruppe ist heute in 2 Bereiche gesplittet. Mein Bruder macht Maschinen- und Sondermaschinenbau und ich den Energiebereich, den wir Energy Technology nennen, um international agieren zu können. Die beiden Bereiche sind rechtlich komplett getrennt und jeder hat eine 50/50 Eigentümerschaft. Insgesamt haben wir 1.800 Mitarbeiter und machen um die 230 Mio. Euro Umsatz. 650 der Mitarbeiter sind in Österreich angesiedelt, der Rest ist außerhalb von Österreich beschäftigt. Wir sind international tätig und versuchen, wenn es der Markt zulässt, am Markt präsent und über Vertriebsfirmen oder eigene Fertigungsstätten direkt beim Kunden zu sein. Wir sind natürlich auch durch den Kauf von Firmen gewachsen, die in unserer Branche arbeiteten. Diese haben uns dann neue Produkte oder einen neuen Markt gebracht. Da gerade im Energiesektor die Entwicklung und Anerkennung neuer Produkte sehr langwierig ist und über Jahre hinausgeht, suchen wir uns auch Firmen, die bereits Produkte haben, die etabliert sind, um das Portfolio zu erweitern. Stolz sind wir auch, das wir seit der Übernahme in 2012 es nicht nur geschafft haben das Unternehmen erfolgreich zu führen, sondern auch zu wachsen. Wir führen das Unternehmen nach der Philosophie unseres Vaters, welches lautet ein ertragreiches Wachstum zu haben. Die vielen kleinen Firmen, die wir haben, werden über eine eigene Holding-Gesellschaft koordiniert. Jedes Unternehmen hat seinen eigenen Geschäftsführer. In der Holding haben wir nur die Finanzhoheit, wir reden bei der Strategie mit und bieten sonst weitere Dienstleistungen im Personalentwicklungsbereich und Marketing an.  Den Rest erledigen die Firmen alleine. Unser letzter Kauf war ein Unternehmen in Australien.
Wir sind eine Holding und darunter gibt es 3 strategische Geschäftseinheiten. Unter den Geschäftseinheiten sind dann die Rechtseinheiten. Der Energiebereich ist so gegliedert wie bei unseren Kunden, also in Energieerzeugung, Übertragung und Verteilung des Stroms und den Schrankbereich in der Energieverteilung. Es gibt bei uns geschmiedete und gegossene Produkte. Bei den Strommasten erzeugen wir zum Beispiel die Armaturen, die eine Nische am österreichischen Markt als Produkt darstellen. Hier haben wir in Österreich keinen Mitbewerber. Unsere Konkurrenten kommen hier meist aus Deutschland, Amerika und jetzt auch verstärkt aus Asien. 1949 haben wir den ersten Auftrag in diese Richtung von der Verbund Gesellschaft bekommen und sind seither in diesem Bereich tätig. Wir gehören zu den 5 größten Unternehmen, vor allem wenn es um Höchstspannungsbereiche geht. Derzeit versuchen wir bei den Stromtankstellen Fuß zu fassen, das ist jedoch ein eher schwieriges Thema. Die Tankstellen sind zwar da, aber die Autos nicht.
Im Maschinenbaubereich fertigen wir Maschinen zur Herstellung gewisser Produkte. Hier gibt es ebenfalls 3 Geschäftsbereiche. Das eine sind Batteriemaschinen, welche Batterien herstellen. Hier haben wir auch eine Nische gefunden. Der Kabel- und Drahtbereich fällt bei uns größer aus. Auch hier bauen wir die Maschinen für diverse Anwendungen von Kabeln. Hauptsächlich Datenkabel, Automobilkabel, aber auch Energiekabel. Seit 1997 sind wir im Bereich Maschinenbau tätig, da unser Vater damals meinte, in der Energieentwicklung tut sich recht wenig. So sind wir zu diesem Bereich gekommen.


Zum Thema des heutigen Abends:  Reindustrialisierung in Europa. Man hat gesehen, dass Länder mit hoher Industrialisierung besser durch die Krise gekommen sind. Österreich hat einen über dem Durchschnitt liegenden Industrieanteil. Man will mit dieser neuen Industrialisierung neue Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen. Sie sind weltweit tätig, ein Industrieunternehmen und produzieren in Österreich nicht mehr in großem Ausmaß, aber dafür in anderen Ländern. Viele österreichische Industrieunternehmen drohen mit Abwanderung, weil die Bürokratie so mächtig ist usw. Könnte es bei Ihnen passieren, das Sie sagen, ich produziere in Österreich nicht mehr? Ich gehe in andere Länder? Dorthin wo es einfacher ist, günstiger.


Der Vorteil von Familienunternehmen ist, dass diese sehr standorttreu sind und wir versuchen nicht zu drohen, wegzuziehen. Der Grundsatz lautet, so gut als möglich die Fertigung innerhalb Österreichs zu halten. Ich bin nicht der Meinung, nur Forschung und Entwicklung in Österreich zu brauchen und alles andere überall machen zu können. Gerade die Neuentwicklung von Produkten ist sehr nahe mit der Fertigung verbunden, da man auch relativ schnell Änderungen machen kann. Für uns ist dies wichtiger und vorteilhafter als jetzt nur eine billige Produktion zu haben. Das heißt, um auf die Frage zurück zu kommen, letztendlich ist es auch ein bisschen eine Sache des Blickwinkels. Ich kann mir eine Produktion anschauen und suchen, wie ich sie billiger machen kann, oder ich schaue sie mir an und überlege wie ich sie weiterhin wettbewerbsfähig halte. Mittlerweile schaffen wir  es mit 2-Schichtauslastung und den dementsprechenden Automatisierungen mit unseren chinesischen Konkurrenten mitzuhalten. Natürlich hätte ich auch vor 5 Jahren sagen können, damals war der Zukauf von China noch deutlich billiger, ich gehe gleich nach China und komme nach 10 Jahren wieder zurück. Solange wir es uns leisten können, versuchen wir in den Standort zu investieren und dass wir hier weiterkommen. Letztendlich glaube ich sowieso, dass alles nur eine Spirale ist. Jetzt ist China billig, dann ist Vietnam billig, dann ist Kambodscha billig, dann wieder Afrika. Aber irgendwann kommt das alles wieder zurück und wir versuchen unsere Produktion am Standort zu halten. Man muss aber auch ganz klar sagen, wir haben auch andere Standorte, wie in Indien. Wir fertigen auch bereits seit über 20 Jahren Teile in der Slowakei, ein reiner Fertigungsstandort, der nur mit Österreich verbunden ist.


Die Politik nimmt sich vor,  20 % Industrieanteil am BIP europaweit zu schaffen. Das ist ein hehres Ziel. Was muss passieren, dass das gelingen kann? Was müssen für Rahmenbedingungen für die Unternehmen geschaffen werden?


Erstens einmal sollte man uns nicht noch mehr Prügel vor die Füße werfen. Ich finde, dass für die Industrie die letzten 5 Jahre wenig bis gar nichts gemacht worden ist. Dazu kommt ein immer schärferer Wettbewerb, der sich aus der Globalisierung ergibt.  Und auch immer stärkere Umweltauflagen, für die ich sehr dafür bin, nur irgendwann kommt eine Phase, wo sie für den Euro nicht mehr viel verbessern können. Es hilft nur, wenn man zum Beispiel die asiatischen Standorte auf Vordermann bringt. Und dann haben wir auch Entwicklungen, was die Arbeitskosten und Lohnstückkosten betrifft, die alles andere als rosig sind. Da muss man ganz klar sagen, hier haben wir in den letzten Jahren geschlafen und man lebt letztendlich von der Vergangenheit. Änderungen passieren kaum. Und die Industrie und generell die Wirtschaft wird sehr einfach mit weiteren Auflagen belegt, weil sie meiner Meinung nach aber auch zu wenig Zusammenhalt haben, wie es die Landwirtschaft nun mal hat. Die haben eine sehr starke Lobby.


Sie sitzen jetzt aber in der Wirtschaftskammer. Betreiben Sie das?


Also ich stelle immer wieder fest, dass die Wirtschaft sehr stark von Individualisten lebt. Jeder schaut primär einmal auf seine eigene Tasche, bevor man zusammenarbeitet. Das fängt schon damit an, dass wir uns alle sehr wenig kennen. Deswegen begrüße ich solche Aktionen, wo alle zusammentreffen. Da bin ich auch sehr selbstkritisch. Und wie sie schon erwähnt haben, bin ich im Fachverband Maschinen Metallwaren Industrie. Dort bin ich bei den KV-Verhandlungen dabei und wenn wir da einmal besprechen, welche Forderungen wir eigentlich an die Gewerkschaft hätten, kommen wir wochenlang auf keinen Nenner. Wir machen ja auch nichts anderes als eine Abwehrpolitik in der Industrie.  Wirkliche Wirtschaftspolitik passiert bei uns auch nicht.


Sie haben die Arbeits- und Lohnnebenkosten angesprochen. Mit 26,7% sind diese in Österreich massiv gegenüber anderen Ländern in den letzten Jahren gestiegen. Das ist auch wieder ein Wettbewerbsthema. Wo würden Sie da ansetzen?


Meiner Meinung nach haben wir kein Einnahmenproblem. Die Steuern steigen jedes Jahr. Man muss einmal bei den Ausgaben ansetzen. Und nur durch einen reduzierten Staat ist es möglich über eine Umverteilung der Steuern zu diskutieren. Jetzt über zusätzliche Steuern zu diskutieren bringt sich nicht viel, damit sinkt nur der Druck bei den Ausgaben was zu tun. Grundsätzlich ist es so, dass den Mitarbeitern Netto wenig überbleibt, dem Unternehmen das aber jedoch viel kostet. Das ist sicher etwas, wo man etwas tun muss. Speziell im Sozialversicherungsbereich kann man hier auch ansetzen. Hier kann man so einiges reduzieren. Aber da muss einen auch klar sein, dass es nicht von heute auf morgen geht. Das ist ein Prozess, der zum Großteil mit den Strukturen zusammenhängt, aber man muss einmal die ersten Schritte setzen. Viel leichter und schneller ginge es, wenn man sich einmal die Pensionsthemen ansieht. Da haben wir es noch nicht einmal geschafft, dass das Pensionsantrittsalter von allen Ländern gleich gemacht wird. Wir in der Steiermark haben uns zum Beispiel noch immer dagegen gewehrt. Hier müsste man sagen,  es gibt jetzt ein Bundesgesetz und das ist umzusetzen. Geschweige denn das das tatsächliche Antrittsalter mit 58 Jahren noch immer sehr niedrig ist. Ich weiß, dass da jetzt erste Maßnahmen evaluiert werden, aber wenn dann bei der Evaluierung wieder geschönt wird und man dann sagt, dass es besser geworden ist, ist das sicher nicht nachhaltig.  Bezüglich Verwaltung, wissen wir genau wo wir ansetzen müssen. Man könnte sich 10 Ziele herausnehmen, von mir aus von dem Rechnungshofbericht, der schon seit 3 Jahren vorliegt und diese 10 einmal umsetzen. Daran sollte Politik eigentlich gemessen werden.


Die Forderung, die es von Ihrer Seite aus und der Wirtschaftskammer gibt, ist die nach einem flexiblen Arbeitsmarkt. Wie stellen Sie sich das für Ihr Unternehmen vor? Was würde das für die MitarbeiterInnen bedeuten?


Ja, wir reden von flexiblen Arbeitszeiten. Wir haben das Problem, das wir einfach immer kürzere Perioden haben bis wir Aufträge bekommen und die wir dann immer schneller abwickeln müssen. Und die Perioden sind unterschiedlich. Wir haben 2 Monate viel zu tun, dann wieder 2 Monate wenig zu tun. Wo viel zu tun ist fallen viele Überstunden an, die sehr teuer sind und wenn dann wenig zu tun ist, müsste man, wenn es ganz drastisch ist, Stammpersonal abbauen. Dies tun aber die wenigsten. Unser Modell ist einfach so, dass man schaut, das man die Hochs und Tiefs besser durchlaufen kann. Egal ob man das jetzt auf 1 Jahr oder 2 Jahre macht, wir müssen einen Durchrechnungszeitraum finden, wo man ohne die teuren Überstunden durchkommt. Das hilft den Unternehmen, dass sie beim Personal weniger tun müssen und würde auch mehr Arbeitsplatzsicherheit schaffen.

 
Hier stellt sich die Frage, wer verhindert das? Sind es tatsächlich die Mitarbeiter, oder doch der Druck der Gewerkschaften?


Es gibt schon sehr viele Modelle, wo das passiert. Der Punkt ist aber, dass sich große Unternehmen es richten können, wo es der Betriebsrat verstanden hat, das man mit diesen Modellen mehr Beschäftigung halten kann. Für mich ist da der eindeutige Verhinderer die Gewerkschaft, weil es bei denen um ganz andere Themen geht als um die Sache. Wir wollen nichts anderes als die Ist-Situation, wie es schon viele andere Unternehmen machen, jedoch nicht ganz legal, denn der KV ist hier nicht ganz abgedeckt. Das heißt, wenn ein Inspektor kommt und sich das Unternehmen ansieht, kann er sagen, das darfst du gar nicht machen. Das soll, meiner Meinung nach, nicht so sein. Jetzt muss man aber auch aufpassen, dass man in den Kollektivvertrag nicht eine Regelung hineinnimmt, bei der man denen wehtut die sowieso weniger haben. Was wir wollen ist einfach eine Heranführung der Messlatte an die Ist-Situation. Verhindern tut dies die Gewerkschaft und diese hat ein ganz anderes Ziel. Sie können eine Gewerkschaft selten dazu bringen etwas Bestehendes zu reduzieren. Darum steigen die Kosten immer mehr. Mit dieser Philosophie ist es sehr schwierig Kosten einzusparen.


Wenn Sie aber mit den Mitarbeitern über diese Themen reden ist das für die dann wohl auch gut nachvollziehbar.


Ja, nachvollziehbar schon. Aber in den kleinen Unternehmen sagen die Mitarbeiter, ich brauche ja die Gewerkschaft und wenn die sagen wir sollen dagegen sein, dann sind wir das. Es ist schon auch eine gewisse Solidarität mit den Gewerkschaften da, die ich auch in Ordnung finde. Ich bin nicht gegen die Gewerkschaften. Die haben ihre Berechtigung, aber in der Sache ist es sehr schwierig mit Ihnen weiterzukommen.


Sie haben kurz den Bürokratieabbau anklingen lassen. Wo sehen Sie denn hier die größten Hebel?


In der Verwaltung. Ich bin mir zum Beispiel nicht sicher, ob wir den Bundesrat benötigen. Man könnte hier auch bei den Abgeordneten sparen. Man könnte auch viel bei den Schulen machen. Für mich ist es unverständlich, dass der Direktor der Schule sich noch nicht einmal die eigenen Lehrer aussuchen kann. Bei der Landesschulrat-Vize-Diskussion, die in den Medien kursiert, kann sicherlich auch die Funktion hinterfragt werden. Das sind nur ein paar Tropfen auf den heißen Stein, aber grundsätzlich muss man sich die ganze Struktur anschauen. Es gibt 22 Krankenversicherungen und davon 6 Betriebskrankenkassen. 9 würden wahrscheinlich auch reichen. Natürlich muss man da auch in der WKO bereit sein nachzudenken, wie man seinen Beitrag leisten kann. Und letztendlich beträgt der Beitrag für die Arbeiterkammer auch 0,5% bei den Lohnnebenkosten. Der für die Wirtschaftskammer ist aber mindestens gleichviel. Man könnte auch hier einen Beitrag leisten und dann muss nachfolgend auch was bei den Strukturen passieren, wenn man weniger Geld zur Verfügung hat. Da reden wir von rund 1,6 Milliarden, die der WKO zur Verfügung stehen. Es ist auch alles mindestens 2-fach oder 3-fach vertreten. Das gehört zu den alten geschichtlichen Strukturen, wo alle Schichten der Gesellschaft speziell durch Verbände vertreten wurden. Hier muss wahrscheinlich auch eine gesellschaftliche Veränderung in Richtung Selbstverantwortung passieren. Es kommt mir so vor, als würde man den BürgerInnen immer mehr vorschreiben was er/sie zu tun hat. Die Selbstverantwortung wurde in den letzten Jahren eigentlich immer mehr zurück gedrängt. Und dieses Zurücklehnen und „der Staat wird schon helfen“ wird auch sehr einfach gemacht. Dieser Kulturchange ist aber etwas, dass nicht so schnell geht. Das können wir nur über die Jugend und über die Generationen hinweg machen.


Und die Schmerzen müssen groß genug sein?


Ja, ich weiß nicht wie groß die Schmerzen sein müssen. Mehr als die Zahlen sprechen zu lassen,  kann man nicht wirklich machen. Trotzdem glaubt es niemand Das ist das Problem. Wir als Wirtschaft haben das Problem, dass uns sehr wenig geglaubt wird. Wenn ein Bauer jammert wird ihm geglaubt. Wenn wir jammern, glaubt uns niemand. Weil wir jammern sowieso immer. Dabei tun wir das gar nicht viel. Wir sind eher Optimisten. Aber die Einstellung, dass der Staat alle Sorgen abnimmt, muss sich ändern, um auch die Strukturen ändern zu können.


Wie stehen Sie dazu Vermögen und Kapital stärker zu versteuern?
Wir sagen Lohnnebenkosten sind zu hoch. Wir haben hier Unmengen an Abgaben zu leisten. In Summe haben wir die höchste Abgabenquote europaweit, sogar als die Schweden, die ein ganz anderes Gesellschaftsmodell haben. Jetzt wird natürlich auch über höhere Steuern für Vermögen und Vermögenszuwächse gesprochen. Das ist vor allem für Unternehmen immer ein substantielles Thema?


Ja, wie schon gesagt, bin ich der Meinung, dass man einmal grundsätzlich bei den Ausgaben anfangen sollte. Was die Einnahmenseite betrifft, die Vermögenssteuer haben wir ja schon gehabt. Letztendlich wissen wir auch wen wir damit getroffen haben und wie viel damit erzielt wurde. Jetzt will man ein paar Ausnahmen machen und erhofft sich eigentlich mehr. Wie das funktionieren soll weiß ich nicht. Das Einzige was sein wird ist, das sich bei der Grundsteuer etwas tun wird. Nur es ist nicht der richtige Ansatz. Noch mehr Einnahmen zu lukrieren, macht es nicht einfacher, die Strukturen oder die Ausgaben zu reduzieren. Man verschafft sich damit nur Zeit,  aber grundsätzlich wird sich nichts ändern. Für die Schenkungs- und Erbschaftssteuer habe ich grundsätzlich Verständnis, diese darf aber nicht an die Substanz  der Unternehmen gehen. Wenn das kommt, dann sollte es aber anders geregelt sein. Wenn ich etwas erbe oder geschenkt bekomme, müsste man z.B. einen Zeitraum definieren.  Wenn ich innerhalb von 7 Jahren das Haus etc. verkaufe, dann zahle ich Steuern, wenn nicht, dann zahlt man keine Steuer. So hat man dann auch eine gewisse Pflicht, dass man etwas damit macht. Damit könnte ich besser leben.


Wenn wir uns das Ganze im internationalen Kontext anschauen, dann  wissen wir das Asien und die Länder in Südostasien und wo sie sonst auch noch tätig sind, massive Kostenvorteile im Sinne der Arbeit haben. Die Amerikaner, welche die Reindustrialisierung extrem betreiben, haben auch Vorteile bei den Energiekosten. Wir haben bei der Energie auch recht hohe Abgaben und Steuern. Was würden Sie hier vorschlagen und was schlägt Ihre Vertretung hier vor?


Ja, die Amerikaner machen das schon sehr gescheit, indem sie geschaut haben wo kann man der Industrie auch tatsächlich im internationalen Vergleich behilflich sein kann. Und durch den Rückgriff auf die Industrie haben Sie  das Schiefergas entdeckt. Also Schiefergas hätten wir auch, aber letztendlich ist es ja nicht nur die Energie, mit der sie einen Vorteil haben, sondern sie haben auch mittlerweile im Süden der USA auch Arbeits- und Fertigungskosten, die vergleichbar mit denen in Rumänien sind. Da verdienen sie auch nicht sehr viel. Und nur die Kombination aus beiden macht die USA wieder attraktiv. Das heißt, wenn man in Europa eine Reindustrialisierung andenkt, oder sagt man braucht die Industrie um zu überleben, dann muss man sich einfach die Faktoren anschauen, die bestimmend sind und das sind nun mal das Rohmaterial, wo wir nicht so gesegnet sind. Das müssen wir oft zukaufen. Die Arbeitskosten, die laufend nach oben gehen und wo es in Großteilen Europas schwierig ist überhaupt etwas zu tun. Und dann kommen noch andere Aufwendungen wie Energie zum Beispiel. Hier finde ich, dass die Möglichkeit zu neuen Energieressourcen bei uns geringer ist als in den USA. Das heißt, wenn das wegfällt müssen wir bei den anderen beiden schauen, ob wir langfristige Verträge abschließen können. Ich glaube, dass wir um einiges produktiver sind als zum Beispiel Asien oder die USA. Damit sehe ich gute Chancen langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben bzw. wieder zu werden.


Der wahrscheinlich wesentlichste Zukunftsgarant für Europa sind  Investitionen in Forschung,  Entwicklung und Bildung. Wir haben in Österreich bereits das Wissenschaftsministerium in das Wirtschaftsministerium eingegliedert.  Was ist das für ein Signal für Sie?


Ich sehe kein großes Problem, dass die Bildung jetzt im Wirtschaftsministerium beheimatet ist. Die Bildung und die gebildeten Leute sind sicher das größte Asset, das wir haben. Ich bin der Ansicht, dass man Eliten mehr fördert, oder eben Gute mehr fördert. Natürlich auch den Mittelstand, aber jetzt nicht zu sagen der gute Durchschnitt ist uns gut genug. Diese Tendenz sehe ich einfach ganz klar, dass man versucht alles von unten nach oben zu drücken und von oben nach unten und einen guten Durchschnitt zu erreichen. Das wird auf Dauer nicht funktionieren.


Gerade da wir an der Kostenschraube in Europa nicht derart drehen können, müssen wir in die Bildung investieren und damit herausstechen, um wettbewerbsfähig zu sein.


Ja, die billigsten werden wir nie werden.


Kommt das Thema Fachkräftemangel, hier gibt es ja unterschiedlichste Meinungen, bei Ihnen vor? Die einen meinen es gibt zu wenig Fachkräfte, andere meinen es gibt genug Arbeitslose die nur schlecht vermittelt werden. Wie geht es Ihnen da?


Wir können unseren Bedarf an gut qualifizierten Mitarbeitern ganz gut abdecken. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen und Universitäten bekommt man schon das Angebot, dass man dann sehr gute Leute findet. Aber von größeren Unternehmen, die viele Mitarbeiter aufbauen, höre ich, dass sie Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu bekommen. Hier geht es auch darum, dass die Qualität eben gesunken ist. Jene, die was aus den Schulen kommen können nicht die gewünschten Leistungen erbringen.


Ist es die Aufgabe des Unternehmens sich die Fachkräfte heranzuziehen, oder ist es eine gemeinsame Aufgabe von Ausbildungen, Unternehmen und Schulen?


Nun ja, Schulbildung mache ich nicht als Unternehmen. Ich muss schon voraussetzen können, dass die Bildung in der öffentlichen Hand liegt und dass diese auch für die Qualität der Bildung verantwortlich ist. Was nach diesem Prozess passiert, oder auch in der Lehre, liegt in der Verantwortung von uns. Und deswegen ist es auch so, dass, wenn sie keine optimale Fachkraft finden, wir eine nicht so geeignete Person wählen und wir diese an die Aufgaben heranführen und ausbilden.


Jetzt haben wir sehr viel über Reindustrialisierung geredet. Wie schaut es in Österreich und Europa aus? Das eine sind Wünsche, Hoffnungen 20% Industrieproduktionsanteil an BIP wieder zu haben. Wie schaut es aus in 10 Jahren?


Vor 20 Jahren hatten wir das Verhältnis Arbeiter /Angestellte an einem Standort ca. 4:1 gehabt. Heute haben wir 1:1. Ich glaube, dass die Fertigung und die Produktion weiter zurückgehen werden und eben durch Forschung, Innovation und Logistik, Vertrieb, Marketing usw. immer mehr ersetzt wird. Durch weitere Automatisierung und noch schnellere Durchlaufzeiten wird die Industrie in Österreich oder Europa überlebensfähig bleiben. In Österreich wird es weniger Industrie geben wird. Dafür wird es aber in die Richtung Wirtschaft 4.0 gehen. Mehr Automatisierung, mehr Verknüpfung von IT-Technologie, die es ja teilweise schon gibt. Intelligentere Systeme sind der Schlüssel, ebenso gut ausgebildete Leute, die schon aus den Schulen kommen und dann in den Unternehmen als flexible Mitarbeiter arbeiten und gute neue Produkte/Dienstleistungen anbieten werden. Wichtig ist auch schneller zu sein als der Mitbewerb. Da sehe ich schon, dass wir in 10 Jahren weniger wertschöpfende Tätigkeiten haben werden.


Gut, wir gehen davon aus, dass die Knill Gruppe in 10 Jahren noch gut dabei ist. Wie schaut die Knill Gruppe aus in 10 Jahren?


Also in 6 Jahren wollen wir uns umsatzmäßig und mitarbeitermäßig verdoppeln, und das ertragreich. Ich weiß wo derzeit meine größeren Mitbewerber liegen und um da langfristig mitzuspielen, weiß ich auch auf welche Größe ich kommen muss. Und ich muss nicht nur umsatzmäßig wachsen sondern auch die Produktpalette erweitern. Ich muss weggehen von Einzelprodukten, mehr hin zu Systemen, wenn sie so wollen. Und letztendlich müssen wir schneller als die Mitbewerber sein.


Dann wünsche ich gutes Gelingen dafür und hoffe, dass wir in ein paar Jahren dann die Erfolge gemeinsam feiern können. Herzlichen Dank!

 

 

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